Über die Finanzierung von sozialen Trägern.
Ein Kommentar von Jörg Angerstein, Vorstand der Hans-Wendt-Stiftung*
Bremen erwartet zu Recht viel von seinen sozialen Trägern. Sie sollen Kinder, Jugendliche und Familien verlässlich begleiten, Fachkräfte gewinnen, Kinderschutz und Qualität sichern und digitaler werden. Zugleich sollen sie wachsende Anforderungen erfüllen und ihre Verwaltungskosten niedrig halten. Doch passt das zusammen?
Gute soziale Arbeit braucht eine gute Organisation. Jede Kita und Jugendhilfeeinrichtung muss Personal gewinnen, Gehälter abrechnen, Räume und IT organisieren, Datenschutz und Qualität sichern. Was als „Verwaltung“ oder Overhead“ gilt, ermöglicht die Arbeit mit Kindern und Familien. Bei Fachkräftemangel ist Personalmanagement kein Luxus, beim Schutz sensibler Daten sichere IT keine Nebensache.
Wer öffentliche Mittel erhält, muss sie verantwortungsvoll einsetzen und Rechenschaft ablegen. Wirtschaftlichkeit lässt sich aber nicht allein an einer niedrigen Gemeinkostenquote messen. Sind diese Strukturen zu knapp finanziert, werden Investitionen verschoben, die Digitalisierung gebremst oder Verwaltungsaufgaben auf pädagogische Fachkräfte und Führungskräfte verlagert.
Eine professionelle Organisation könnte diese Aufgaben effizienter erledigen. Personalentwicklung hilft, Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. Digitalisierung kann Beschäftigte entlasten, Qualitätsmanagement Probleme früh erkennen. Steuerung hilft, Ressourcen dort einzusetzen, wo sie gebraucht werden. Wer hier investiert, kann langfristig Kosten sparen und Qualität sichern.
Bei knappen öffentlichen Kassen geht es nicht einfach um mehr Geld, sondern um angemessene Strukturkosten und Transparenz. Es geht nicht darum, jede Ausgabe zu finanzieren oder ineffiziente Strukturen zu rechtfertigen.

Freie Träger sind ein wesentlicher Teil der sozialen Infrastruktur Bremens. Deshalb sollten Senat, Verwaltung und Träger gemeinsam prüfen, ob die Finanzierungsmodelle den heutigen Anforderungen entsprechen.
Unser Maßstab muss sein, welche Strukturen soziale Arbeit auch morgen verlässlich machen. Ziel ist die bestmögliche Wirkung öffentlicher Mittel.
Denn Wirkung gibt es nicht zum Nulltarif.
* als Gastkommentar veröffentlicht im Weser Kurier am 15.10.2026



